Heribert Friedl

from here to Senta and back again

Heribert Friedl

Fotos: Thomas Hartinger, Katharina Burger

Ausstellungseröffnung Dienstag, 17.02.26, 19 Uhr
Zur Ausstellung spricht die Kunsthistorikerin, Kuratorin und Programmgestalterin für Gegenwartskunst Maria C. Holter

Ausstellungsdauer: 18.02. bis 07.03.26 (Finissage)
Geöffnet jeweils Mi, Do, Fr 15 bis 19 Uhr

„In through the back door“ lautet das Jahresthema 2026 des sehsaal und widmet sich künstlerischen Positionen, die einer gerade aktuell besonders lärmenden Welt mit feiner Klinge und leisen (Zwischen-)Tönen anstatt mit dem Vorschlaghammer entgegentreten.
Mit Heribert Friedl verschafft sich zum Jahresbeginn ein Großmeister der subtilen Bedeutungsschichten Zugang durch die Hintertüre und beweist mit seiner Ausstellung „from here to Senta and back again” einmal mehr seine besondere Gabe, ortsspezifische Verweise mit substanziellen, intimen Bedeutungsinhalten und Sinneswahrnehmungen zu verbinden. Heribert Friedl geht es um ein „Sich-Zurücknehmen“ und um ein „In-sich-Hineinhören“. Sein Schaffen will eine „Reduktion“ in ihrem ursprünglichen Wortsinn: eines Zurückführens auf ein menschliches Maß. Bekanntheit erlangte der aus der Steiermark stammende Künstler mit seinen „nonvisualobjects“, die als olfaktorische Eindrücke Erinnerungen wachrufen, schaffen oder Wissen erinnern. Dazu trägt er – wie auch im sehsaal – einen Duftstoff an die Wand, der von den Besucher:innen erst abgerieben werden muss, um als ephemeres Sinnenkunstwerk „erkannt“ zu werden. Der Geruch ist dabei nicht etwa willkürlich, sondern referiert unmittelbar auf die Geschichte des Ortes, an dem sich der sehsaal befindet.
Ebenso spezifisch nehmen auch seine Gemälde direkten Bezug auf den Ort und dessen Historie, ohne sich jedoch darin zu erschöpfen. Vielmehr erweisen sie sich, darüberhinausgehend, als eigenständige Werke - mit Zeichen, Wörtern, Worten und Chiffren, die in ihrer Poesie der Reduktion auf weitere, andere und tiefere Bedeutungsschichten hinausweisen.

(Daniel Zaman)

Heribert Friedl

(* in Feldbach) studierte Bildhauerei an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Seit 2017 unterrichtet er dort in der Abteilung für Ortsbezogene Kunst. Seine Arbeiten werden seit 1994 vielfach in nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt, wie u. a. im Museum Folkwang in Essen (D), Kunstverein Arnsberg (D), Fundacao Calauste Gulbenkian in Lissabon (PT), MASS MoCA, North Adams, Massachusetts (US), Kunsthalle Kiel (D), Stadtgalerie Saarbrücken (D), Netwerk, Aalst (BE), Neue Galerie Graz, Forum Stadtpark, Kunsthalle Exnergasse und Salzburger Kunstverein. Er lebt und arbeitet in Wien.

Auszüge aus denm Manuskript der Eröffnungsrede von Maria Christine Holter

... Auch wenn der Künstler im Sehsaal Bildobjekte ausstellt, die zwischen gestischer und geometrischer Abstraktion oszillieren und (unbewusst?) auf den Stil der bewunderten Meister des US-amerikanischen Abstrakten Expressionismus referenzieren, will er nicht als Maler gelten. Die Malerei sei ja nur die Basis für seine hintersinnigen Text-Raumgestaltungen, so der Künstler in unserem Gespräch. Warum dann dann doch der Griff zu diesem Medium? Nach 20 Jahren fühle es sich für ihn einfach richtig an, sich wieder Materiellem, Haptischem und Optisch-Erfassbarem zuzuwenden. Mittlerweile hätte er sich auch ein zweites künstlerisches Sprachrohr angeeignet: das literarische Schreiben. Zudem wolle er nicht mehr auf den „Duftkünstler“, „auf den Typen bei dem man nichts sieht und die Leute an den Wänden kratzen“ reduziert werden. ...

... „Ich strebe nun nach der Verschränkung von faktenbasiertem Wissen mit einer poetischen Geste“, schrieb mir Friedl im Zuge der Vorbereitung auf seine künstlerische Intervention im sehsaal. Dazu vertiefte er sich mithilfe der Recherche einer Bekannten in Quellen, die ihm zur Zentagasse 38 zur Verfügung gestellt wurden. So ließ sich etwa herausfinden, dass sich der Straßenname von der im Jahr 1697 gewonnenen Schlacht des Prinzen Eugen von Savoyen über die Türken bei Zenta an der Theiß herleitet. Zenta, Senta... From here to Senta and back again gelb-schwärzt Friedl für die Einladungskarte zur sehsaal-Ausstellung. ...

... Und hier im Raum? Faktenbasierte poetische Chiffren in mittelalterlich anmutender Blackletter-Typografie, ausgeführt als Resultat von Friedls künstlerischem Spieltrieb. Wie etwa der orangefarbene Verweis auf die zwischen 1913 und 1925 erfolgte Hausnummern-Umnummerierung von Zentagasse 46 auf Nr. 38 in Streichholzschachtelgröße. Oder auf die Tatsache, dass das historistische Gebäude etliche Werkstätten, Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe im Erdgeschoß und im Innenhof beherbergte, wie Zeitungsausschnitte und Inserate aus dem späten 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts belegen: eine Glasmalerei-Werkstatt (leuchtendes Dayglow-Rot), ein Kutscher (marginale Spuren von Pferdemist auf beigem Untergrund?), ein Geschäft für Tennisausrüstung (sparsamer Streif); daneben das lebhaftere Zeugnis einer per Inserat geschalteten Suche nach einem Betriebsmitarbeiter, der aber bitte kein Meister (no expert…) sein möge. .......

Maria C. Holter

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