Jelena Micić
Why Did I Do This to Myself?
The State of My Image and Other Bad Decisions
Ausstellungseröffnung
Dienstag, 20. Oktober 2026 ab 18:30 Uhr
19:00 (pünktlich!)
artist talk
Jelena Micić mit Herbert Justnik, Curator Volkskundemuseum
20:30
music
Ausstellungsdauer 21.10. – 7.11.2026
Geöffnet jeweils Mi, Do, Fr 15 bis 19 Uhr
Wenn man auf fünfzehn Jahre Bildproduktion mit dem Handy zurückblickt, stellt sich die Frage: Warum macht man Bilder, und wozu? Mehr als 50.000 Fotos, die zwischen 2011 und heute aufgenommen wurden, bilden ein unübersichtliches Archiv – viele Gigabytes an Schnappschüssen berichten von technischen Veränderungen, wiederkehrenden Motiven, zufälligen Kompositionen und visuellen Gewohnheiten.
Wann ist eine Momentaufnahme zufällig? Wann wird Wiederholung zu einem Muster? Und welche Bedeutungen lassen sich dadurch erzeugen, dass man ein Bild einem anderen vorzieht?
Für die Ausstellung trifft sich Jelena Micić mit Herbert Justnik zu einer Reihe von Gesprächen über die Produktion und Auswahl von Bildern sowie darüber, wie Bilder Bedeutung vermitteln. Anhand von Fotografien, die größtenteils nie zum Druck oder zur Ausstellung bestimmt waren – eine Art „Bild im Entstehen“ –, beleuchten sie die Kontinuitäten und Brüche einer jahrelangen alltäglichen Bildproduktion, die in ihren einzelnen Momenten zufällig, im Laufe der Zeit jedoch auf unheimliche Weise beständig ist.
In einer Zeit der Bild- und Sinnkrise der Mitte des Lebens – inmitten eines politischen Durcheinanders aus Ideologien, automatisierter Bildproduktion und künstlicher Intelligenz – eröffnet das Archiv einen Raum, um nicht nur das Schaffen von Bildern, sondern auch die Frage, wozu Kunst heute dient, neu zu überdenken.
Wir wählen das erste Bild aus. Über den Rest muss verhandelt werden.
Looking back at fifteen years of mobile-phone image production, a question arises: why make images, and what for? More than 50,000 photographs taken between 2011 and today form an unruly archive—gigabytes of screen-bound snapshots shaped by technical shifts, recurring subjects, accidental compositions, and visual habits.
When is a snapshot random? When does repetition become a pattern? And what kinds of meaning can be produced by selecting one image rather than another?
For the exhibition, Jelena Micić meets Herbert Justnik in a series of conversations around image production, selection, and the ways images carry meaning. Moving through photographs that were mostly never intended to be printed or exhibited, a kind of “image in progress,” they revisit the consistencies and disruptions of consequent years of everyday image-making, random in its individual moments yet uncannily consistent over time.
At a moment of midlife image and meaning crisis—amid political mashups of ideologies, automated image production, and AI backlash—the archive opens up a space for rethinking not only image-making, but also what art is for today.
We choose the first image. The rest is to be negotiated.
Jelena Micić
Jelena Micić ist eine in Wien lebende Künstlerin, Kuratorin und Forscherin. In ihrer Arbeit untersucht sie die politischen und sozialen Dimensionen von Farbsystemen, Materialien, Arbeit und alltäglicher visueller Kultur mittels Feldforschung, Sammeltätigkeit, Archivforschung und Installationen. Ihr aktueller Forschungsschwerpunkt liegt auf die Zirkulation der Materialien Leder und Kunststoff im ehemaligen sozialistischen Jugoslawien und den blockfreien Staaten. Von 2022 bis 2025 war Micić künstlerische Leiterin der WIENWOCHE – Festival für Kunst und Aktivismus.
Jelena Micić is an artist, curator, and researcher based in Vienna. Their practice examines the political and social dimensions of color systems, materials, labor, and everyday visual culture through fieldwork, collecting, archival research, and installation. Their current research focuses on the circulation of leather and plastics in socialist Yugoslavia and the Non-Aligned Movement. From 2022 to 2025, Micić was Artistic Director of WIENWOCHE–Festival for Art and Activism.