Eröffnung am Mittwoch 24. September um 19 Uhr
Künstlergespräch!
24. bis 28. September 2025
Gestische Abstraktion lässt mitunter gesteuert oder völlig willkürlich in Gemälden Gesichter „entstehen“, unser Gehirn versucht einzelne Punkte und Flächen zu interpretieren.
Evolutionsbedingt verschafft uns die erlernte "Gesichtserkennung" Vorteile, auch das Lesen von Emotionen ist derart entscheidend für erfolgreiche soziale Interaktion und das Überleben in der Gruppe dass das "Wie" als Primat über dem "Was" dominiert. Die vollkommen analoge, expressive Arbeitsweise beider Kunstschaffenden überlässt die Diskussion über die Fähigkeiten der KI im Schaffen und Lesen von Kunstwerken den Betrachter*innen.
Rosa Roedelius (*DE 1975), schafft es, ihre überbordende Energie nicht nur in ihre Kunstwerke zu stecken, sie ist auch beim Betrachten ihrer Bilder direkt erlebbar. Im Idealfall präsentiert sich ein Gesamtkunstwerk aus Skulptur, Performance, Lyrik, Malerei und bespieltem Objekt.
Sie bedient diese Klaviatur in der Tradition des Wiener Aktionismus erstklassig. Selbstverständlich ist auch ihre bei Attersee erlernte und um unorthodoxe Stilmittel erweiterte Maltechnik virtuos.
Rosa arbeitet immer wieder auf großartigen, aufwändigen Hintergründen, die in sich abstrakt sind. Oftmals werden in mehreren Arbeitsgängen in wochenlanger Arbeit gestische Striche und gemalte Muster auf gefärbten Stoff aufgetragen die oft zu fantastischen Kreaturen verschmelzen die sich von der Tiefe der Bildkomposition abheben. Serien von "Unterwassergeschöpfen", "Selbstbefruchtern" und "Kosmischen Ovarien" scheinen das Leben in der Ursuppe zu genießen oder im Weltraum zu schweben.
Ihre experimentellen Kunstgebiete sind Malerei, Skulptur und lyrische Prosa, kombiniert mit performativen Installationen und Kurzfilmen. Sie akzeptiert sich selbst im permanenten Übergang und verlässt sich auf den Zustand des "Dazwischen", zwischen Schlaf und Hektik des Tages, Traum und Realität im "Zwischenland". Eine wahre Oneironautin!
Christopher Alan Lane (*UK 1974), widmet sich nach 20 Jahren Architektur seit 2013 fast ausschließlich der bildenden Kunst. Inspiriert durch Monika Kus-Piccos informeller, "chemischer" Malerei bei der die noch feuchten Substanzen auf Papier und Leinwand reagieren und mitunter unerwartete Farbkombinationen ergeben arbeitet Lane zwar nicht auch mit abgelaufenen Medizinprodukten sondern aktuell ausschließlich mit Pflanzenfarben. Indikatorfarben die chemisch umfärben, wie z.B. Extrakte von Blaukraut das bekanntlich durch Zugabe von Essig rot wird, aber auch andere natürliche Substanzen die auch als lichtechte Färbemittel in der Kunstgeschichte durch die Jahrhunderte bekannt sind.
Bedenkend, dass ein nicht unwesentlicher Bestandteil des Mikroplastiks in unserer Umwelt aus Farben, überwiegend Beschichtungen aus Architektur und Gewerbe aber auch aus der Kunstproduktion stammen ist es den nachhaltigen Aspekt zu betonen ein wichtiges Anliegen. Verwendet werden auch Naturpapier und alte Leintücher als Leinwand.
Die gestische, oft abstrakte oder sehr abstrahierte Malerei lässt u.a. Einflüsse diverser Vorbilder der Nachkriegsmoderne erkennen, thematisch werden auch piktogrammartige, schnelle Aquarellzeichnungen in einem Zug gefertigt die in ihrer einfachen Symbolik ohne Titel und Erklärung auskommen.
Ausführliche Beschäftigung mit den Mechanismen des Kunstmarktes führte zu einer überraschenden, ungewöhnlichen Preisgestaltung: der Faktor bzw. Quadratmeterpreis der Bilder entspricht dem durchschnittlichen Quadratmeterpreis für Wohn-Immobilien in der Region in der die Arbeiten jeweils ausgestellt und zum Verkauf angeboten werden.