Le premier lieu, Sophia Uckmann

work in progress in times of a pandemic

Kulturwissenschaftlerin Siglinde Lang führte ein Gespräch mit der Künstlerin inmitten der Arbeitssituation.

"... Sophias Aufenthalt ist jenen Fragen der Planungsunsicherheit geschuldet, die wohl alle Kunstvereine in den letzten Monaten geplagt haben: Zu oder auf? Online oder analog? Abwarten oder verschieben? Aktiv werden oder passiv im Stillstand verharren? Unbewusst, jedoch passgenau zu unserem Jahresthema `Resonanz & Resilienz´, diskutierte das sehsaal-Team Anfang des Jahres und in einem dieser `Leider nur Zoom möglich´- Meetings, wie wir mit Ausstellungen, Diskussionsformaten und Eröffnungen in den kommenden Wochen umgehen sollten. Fallzahlen abwägend, Prognosen vergleichend und Medienberichte deutend entschieden wir uns (wehmütig), alle geplanten Aktivitäten bis Ende März zu verschieben oder abzusagen. Ein leerer sehsaal? Geht gar nicht, waren wir unisono einer Meinung. ...

... Wer den sehsaal kennt, wird dessen Atmosphäre bestätigen, die eine konzentrierte Ruhe ausstrahlt. Sophia ist bereits zwei Wochen zu Gast, als wir uns treffen. Der entleerte Raum mit seinen weißen Wänden, die (fast) raummittig positionierten Steine am steinernen Boden, die uns umgebende Stille und auch Sophia – all das fließt bereits beim Eintreten in meine Wahrnehmung und löst eine eigentümliche Anziehungskraft aus. Kunst in Zeiten der Distanz so unmittelbar, puristisch, fast spartanisch, dennoch empathisch und vielschichtig erleben zu dürfen, stellte sich für mich in der Begegnung mit Sophia und ihrer Arbeit als Geschenk dar...."
(Auszug)

Siglinde Lang ist seit 2020 Mitglied des sehsaalteams.
Als Kulturwissenschaftlerin, Kuratorin und Dozentin setzt sie sich mit partizipativerund dezentraler Kunst- und Kulturproduktion auseinander.

In ihrer Zeit im sehsaal arbeitet Sophia Uckmann an ihrem Projekt le premier lieu. Ein Projekt, das den Körper als ersten und eigentlichen Ort in dem wir existieren, zum Ausgangspunkt nimmt.

Mit den aus einem Bachlauf gesammelten Steinen, die in einem performativen Prozess begangen werden, ist das Gegenüber gefunden. Im Stein treffen sich die Elemente der Zeit, des Raumes, der Bewegung und des Stillstands, alles auch Elemente des Tanzes und des Körpers. le premier lieu ist eine Gegenreaktion auf die erzwungene Körperlosigkeit und die Erfahrung der eigenen körperlichen Vulnerabilität des letzten Jahres. Den Körper gerade jetzt als Werkzeug zu nutzen, auch weil er ausnahmslos immer verfügbar ist und mit ihm das übrige Material in der Natur zu suchen, für das es keine Industrie bedarf, beschreibt eine Möglichkeit für die Künstlerin auf die derzeitige Situation zu antworten.

23.2. - 28.3.2021

Sophia Uckmann wird den sehsaal einen Monat über als erweiterten Atelierraum nutzen und immer wieder Einblicke - auch über digitale Kanäle - geben

Interessierte Besucher*innen sind bei Anmeldung gerne auch vor Ort gesehen.

Öffnungszeiten:  Di - Fr nach Vereinbarung
work in progress in times of a pandemic 23.2 - 20.3.2021

Sophia Uckmann

lebt und arbeitet in Wien.

Studium der Medienkunst (B.A.) an der Bauhaus Universität, Fotografie (M.A.) an der Folkwang UdK und HGB Leipzig. Preise/Stipendien: Deutscher Jugendfotopreis 2015 | Bauhaus Frauenförderfonds 2015 (D) | Folkwangpreis 2017 (D) | Individuelle Künstlerinnen Förderung, NRW (D) | Projektförderung der Kulturstiftung des Bundes (D) | SASSO Residency (CH) | Projektförderung der Stadt Wien 2020 (AT) Ausstellungen (Auswahl): Solo: Time as Tool, PostTyler, Photoszene-Festival Köln (2019) | Ovals, Bauhaus Festival, Essen (2019) Gruppenausstellungen: DJFP, Deutsches Historisches Museum Berlin (2015) | Masters, UG Museum Folkwang Essen | Freiraum Folkwang, Kunstverein Duisburg (2019) | Absent Fotogalerie Wien (2019)

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