Filmstill schwarzweisse Abstraktion

Filmlounge 2022

filmlounge 2022
Atmosphäre & Authentizität

1. Oktober ab 17h
Screenings und anschließender Artist Talk mit Kurator Max Lehner
Ab 20:00 Wiederholung aller Filme

Eintritt ist frei

17:00
Luz Olivares Capelle, Apariciones
2014, 23'
Gespräch in Deutsch


17:45
P. Staff, On Venus
2019, 13'
Talk in English


18:30
Maja Hodošček, For Your Pleasure
2021, 28' 23''
Talk in English'


Ab 20:00
Wiederholung aller Filme

 

DIe Filmlounge 2022 - mit Kurator Max Lehner - bietet nach der Aufführung der Filme jeweils einen artist talk mit den anwesenden Künstler*innen und der Möglichkeit zu offenem Publikumsdialog.

Als Reaktion auf das sehsaal-Jahresthema „Atmosphäre & Authentizität“ erforscht die Filmlounge Ränder des Authentischen und fragt, wie Atmosphären unsere Erwartungen und Einschätzungen beeinflussen. Authentizität ist eine prägende Kategorie, die oft für Personen, Orte, Dinge und Produkte in Anschlag gebracht wird, die diese nicht wirklich erfüllen können. Wann gilt etwas oder jemand als authentisch? Ist es die Erfüllung von Erwartungen oder der Bruch mit all dem?

Drei Kurzfilme von Luz Olivares Capelle, Maja Hodošček und P Staff stellen implizit die Illusion authentischer Subjektivität infrage, indem sie das Netz von Einflüssen sowie vage Andeutungen, Ahnungen oder Atmosphären, die oft unsere Wahrnehmung beeinflussen, thematisieren – und zeigen, dass es immer mehr gibt als ‚das Authentische‘ oder ‚die Atmosphäre‘. Wenn affektive Qualitäten ebenso viel Gewicht haben wie Subjektives, Gefühl und Fakten, ist möglicherweise die Relation zwischen diesen Polen wichtiger – und wir können Atmosphäre und Authentizität nicht getrennt voneinander sehen. Vielmehr müssen wir dekonstruieren, welche Normen oder Themen die Wahrnehmung und Erwartungen an uns, andere und anderes bestimmen.

Liegt das Authentische letzten Endes in der Atmosphäre, einem Gefühl, dem nicht Greif- und Fassbaren?

Kuratiert von Maximilian Lehner

 

Luz Olivares Capelle: Apariciones (23', AT 2014)
Luz Olivares Capelle: Apariciones (23', AT 2014)
Screenshot P. Staff, On Venus
Maja Hodošček: For Your Pleasure (28' 23'', SI 2021)

Maximilian Lehner
(*1990, Österreich), Kurator und Kunstwissenschaftler, ist Mitgründer des Produktionsbüros The Real Office. Kunst und Realität (RO) in Stuttgart und ist von 2016-2022 Universitätsassistent am Institut für Kunst in gegenwärtigen Kontexten und Medien der KU Linz. Neben Projekten mit RO kuratiert(e) er Ausstellungen für ElectroPutere (Bukarest), Galerija Škuc (Ljubljana), Salzburger Kunstverein, Fünfzigzwanzig (Salzburg), Jutro/Blok Nova Baza (Zagreb), sehsaal (Wien) und aqb (Budapest). Seine Texte wurden bei Artforum, BLOK, Kajet, Revista Arta und etc.magazine sowie in wissenschaftlichen Publikationen und Künstler_innenbüchern veröffentlicht. Maximilian Lehner studierte Kunstwissenschaft und Philosophie in Paris, Stuttgart und Linz, absolvierte kuratorische Kurse an der Salzburger Sommerakademie, dem ECCA Cluj und verfolgt ein Studium am CuratorLab der Konstfack Stockholm.

Luz Olivares Capelle
Apariciones
2014, 23'

17:00

Apariciones ist der Versuch, Erscheinen und Verschwinden bildlich zu fassen, eine filmische Dokumentation der beiden Vorgänge. Im Film erzählen Personen, die wir nicht sehen, von besonderen Erscheinungen und deren Einfluss auf persönliche Entscheidungen. Im Wechsel dazu sehen wir, wie Luz Olivares Capelle sich visuell flüchtigen und nicht greifbaren Momenten annähert, sowohl mit verfremdeten Aufnahmen als auch abstrakten animierten Sequenzen und photochemischen Experimenten mit analogem Film. Die Arbeit der Künstlerin als Ganzes funktioniert wie eine Collage, in der die Bilder assoziative Verbindungen mit den Erzählungen eingehen. Obwohl – oder gerade weil – Apariciones mit dieser Offenheit arbeitet, dass wir selbst Verbindungen herstellen oder uns sogar selbst Bilder vorstellen müssen, vermag der Film es, das Erscheinen und sein Gegenteil als übersinnliche und reale Größe zu situieren.

Luz Olivares Capelle

(*1983, Argentinien) hat Regie an der E.N.E.R.C. (Nationalinstitut für filmische Experimentation und Produktion) Buenos Aires, Grafik an der Akademie der Bildenden Künste und Regie an der Filmakademie Wien, Universität für Musik und darstellende Kunst bei Michael Haneke studiert. Ihre Filme wurden in verschiedenen Kunstgalerien und Museen sowie bei Festivals wie dem Internationalen Film Festival Rotterdam, der Viennale, Karlovy Vary IFF, im Museum of the Moving Image NY, im M.A.L.B.A. Buenos Aires u.a.m. gezeigt. Sie wurde u. A. mit dem Österreichischen Filmpreis, dem Max Ophüls Filmpreis, mit dem Grand Prix International Short Award beim Cork Film Festival, bei der Diagonale und dem Vienna Shorts Festival mit dem Preis für den Besten Narrativen Kurzfilm, sowie mit dem Thomas-Pluch-Drehbuch-Preis ausgezeichnet.

P. Staff
On Venus

2019, 13'

17:45

P Staffs Kurzfilm besteht aus zwei Teilen: Der erste zeigt Aufnahmen der industriellen Gewinnung tierischer Produkte wie Urin, Samenflüssigkeit, Fleisch, Haut und Fell. Die visuelle Veränderung der Bilder lenkt die Betrachtung weg von einem normierenden Blick. Sowohl das, was gezeigt wird, als auch die Bearbeitung des Ausgangsmaterials verweisen auf andere, nicht-menschliche Perspektiven sowie die Sichtbarkeit von und das Einfühlungsvermögen zu anderen Körpern. Die zweite Hälfte des Films ist ein Gedicht, das ein Leben auf der Venus beschreibt. Der Planet mit einer für Menschen giftige Atmosphäre wird darin zur Metapher zwischen Tod und Leben, die eine Anpassung oder alternative Lebensformen notwendig macht. Die feindlichen Bedingungen betonen den Einfluss der Umgebung auf das, was überhaupt als normal oder lebensmöglich anerkannt wird, ebenso wie der industrielle Umgang mit Tieren eine Grenze zwischen lebensunwürdig und schutzbedürftig anhand der Spezies und unterschiedlicher Körper zieht.

 

P Staff

(*1987, Großbritannien) arbeitet in Los Angeles und London künstlerisch in den Medien Video, Skulptur und Poesie und erforscht darin die in das Werden menschlicher Subjekte eingeschriebenen Schichten der Gewalt, um zu hinterfragen, was in den Bedingungen von trans und queerem Leben ständig auf dem Spiel steht.
Die Arbeiten wurden in Soloausstellungen in Serpentine Galleries, UK (2019); MOCA, USA (2017); und Spike Island, UK (2016) präsentiert. Die lezten Gruppenausstellungen waren etwa bei The Milk of Dream, 59. Biennale von Venedig (2022); Prelude, LUMA Arles, Frankreich (2022); Bodies of Water, 13. Shanghai Biennale (2021); Made in LA, Hammer Museum (2018); Trigger, New Museum (2017); und die British Art Show 8 (2016).

Maja Hodošček
For Your Pleasure
2021, 28' 23''

18:30

Eine slowenische Schauspielerin performt mehrere Stunden allein vor der Kamera, ohne Skript und Anweisungen. For Your Pleasure ist Teil einer Serie der Künstlerin, in der immer dieselbe Ausgangssituation Einblicke in unterschiedliche Subjekte bietet: ein leerer Raum mit schwarzem Vorhang, ein Stuhl und eine Kamera, die durchgehend filmt. Die ständige Beobachtung führt bei der Schauspielerin dazu, hauptsächlich über ihre Situation und die an sie gestellten Erwartungen zu reflektieren – ohne Selbstzensur. Im Film entsteht aus dem Anschein eines authentischen Bilds ihrer Selbst, aus ihren Äußerungen und Bewegungen ein Verweis auf die neoliberale Struktur unserer Gesellschaft, wie tief etwa Machtstrukturen zwischen Regie und Schauspiel verwurzelt sind oder wie bestimmte Kategorien aufgerufen werden, ohne diese explizit zu machen.

Maja Hodošček

(*1984, Slowenien) ist Künstlerin, Pädagogin und Forscherin. An der Schnittstelle von Kunst, Bildung, Politik und Alltag produziert sie Videoarbeiten, Installationen und initiiert Workshops. In Bewegtbildern beschäftigt sie sich mit unterschiedlichen sozialen Gruppen und möglichen Lernumgebungen.
Ihre Arbeiten wurden in Gruppenausstellungen wie Hidden Curriculum, tranzit.sk, Bratislava; Silence is Deafness Here, Gallery Podroom, Belgrad; Beyond the Globe, Moderna galerija, Ljubljana, South by South East, Guangdong Times Museum, China; Pipe Dream, Kunsthalle Exnergasse, Wien sowie Travelling Communiqué, Museum of Yugoslav History, Belgrad präsentiert. Solopräsentationen waren zu sehen in Dom omladine, Belgrade, Museum of Contemporary Art – MSUM, Ljubljana, Miroslav Kraljević Gallery, Zagreb, ŠKUC Gallery Ljubljana, Gallery Gregor Podnar, Ljubljana, etc. 2020 erhielt sie den Rihard Jakopič Preis für ihre künstlerischen Leistungen, 2010 den OHO Award.

Filmlounge 2021

filmlounge 2021
Resonanz und Resilienz

15.-17. September 2021
Beginn jeweils 18:00
Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten, unter: info@sehsaal.at

Programmübersicht:
Davor jeweils: Einführung durch die Künstlerinnen
Danach jeweils: Publikumsdialog, Moderation: Siglinde Lang, Kuratorin

Mi., 15.9. 2021, 18:00
Annja Krautgasser: wirklichkeiten (entgegen)treten

(Experimentalfilme)
Around and Around, 2007, 1:40 min
Dachszenen, 2018, 19:01 min
Talszenen 1.0., 2020/21, 21:03

Do., 16.9. 2021, 18:00
Carola Mair: liebes:leben

(Dokumentarfilm)
Liebes:Leben / ein Film über den Aufbruch von Frauen, AT 2020, 43 min

Fr., 17.9. 2021, 18:00
Simone Hooymans: drawings in (e)motion

(Animationsfilme)
Earthfall, 2019, 6:19 min
Broken Horizon, 2008, 4:48 min
After Office Hours, 2012, 4:34 min
Rett Ned, 2017, 6:57 min
All that space between us, 2018, 5:00 min
Talking Plants, 2020, 6:07 min

Im Vorjahr erstmals als neues Format im sehsaal eingeführt, bietet jeder der drei Filmabende eine Einführung durch die Künstlerinnen sowie einen von Siglinde Lang [buero-kwp.net]  moderierten und offenen Publikumsdialog. Der Seh-Genuss in Wohnzimmer-Atmosphäre wird nicht nur mit Gesprächen, sondern auch mit Wein & Brot, Bier & Chips, Wasser & Keksen verbunden.

Resonanz als Tendenz einer sich anpassenden und Resilienz als Tendenz einer widerständigen Kraft, die auf veränderte Lebensbedürfnisse, externe Einflüsse und sich wandelnde Umwelten reagiert. Diese beiden Pole umfassen als Jahresthema den Rahmen für die diesjährige Filmlounge: Aus unterschiedlicher künstlerischer, thematischer und auch persönlicher Perspektive blicken die drei Filmemacherinnen Annja Krautgasser, Carola Mair und Simone Hooymans auf Relationen von Mensch & Umwelt, auf Selbstbild & Fremdeinwirkung, auf Natur und Zerstörung – und fragen nach dem individuellen Gestaltungs-/Handlungsraum, den jede und jeder in Zeiten der Veränderung einnehmen, vielmehr ausfüllen könnte.

Annja Krautgasser, Still aus 'Talszenen 1.0"
Carola Mair, Still aus Liebes:Leben, 2020
Simone Hooymans, Still aus Earthfall, 2019

annja krautgasser
wirklichkeiten (entgegen)treten

15.09.2021, 18.00

„Die Frage nach Selbstbestimmung versus Fremdbestimmung – Resonanz und Resilienz – begleitet mich seit Jahren und zieht sich als roter Faden durch meine Arbeit: Rückzug in die Isolation, Flucht in eine Naturlandschaft, Suche nach der eigenen gesellschaftlichen und politischen Position und Haltung. Den Horizont, die Dachlandschaft oder die Kargheit der Bergwelt verwende ich dabei als metaphorische Bühne. Sie umschreiben für mich gesellschaftliche Normen aus Kultur und Tradition, die, umgelegt auf ihre Symbolik, einiges über Macht- und Rollenzuschreibungen aussagen."

Talszenen, 2021

Die Künstlerin und Filmemacherin Annja Krautgasser beobachtet sehr, sehr genau: gesellschaftliche Manifestationen, subjektive Reibeflächen und rezeptive Wahrnehmungsmuster. Diese Beobachtungen - in ihrer Verwobenheit von (Um)Welt und Individuum - transformiert sie in filmische Sequenzen: Diese präzisieren sich mittels realer, zumeist dennoch surreal verzerrt wirkender Bild- und Handlungskulissen, mittels figurenhafter Protagonistinnen, mittels der Kombination aus dokumentarischen und künstlerischen Stilelementen sowie einer experimentellen Sound- und Tonauswahl zu kompakten Erzählsträngen.

Annja Krautgasser wurde 1971 in Tirol geboren und studierte Architektur an der Universität Innsbruck und Visuelle Mediengestaltung/Neue Medien an der Universität für angewandte Kunst Wien. Ihre künstlerischen Arbeiten sind geprägt durch die Formate Video, Performance und Partizipation und thematisieren die stete Verbindung zwischen Individuum und sozialem Raum. Zahlreiche Einzel-/Gruppenausstellungen und Stipendien im In- und Ausland.

Around and Around, 2007, 1:40 min

Eine der ersten filmischen Arbeiten von Annja Krautgasser experimentiert mit der „Ordnung der Sichtbarkeit“ (Richard Braun) und den dem Filmischen spezifischen Techniken von Stillstand und Beschleunigung, von Schnitt und Montage, von dem visuell Gezeigtem und den Nuancen des Sehbarem.

Dachszenen, 2018, 19:01 min

Michelle Koch (Diagonale Filmfestival Graz) beschreibt die Handlung von Dachszenen als perspektivische Annäherung an formale, jedoch individuell wahrgenommene Stadtarchitekturen: Vier Frauen blicken auf eine Stadt. Von weit oben nehmen sie diese aus einer Perspektive der Isolation buchstäblich unter die Lupe: ein urbaner Raum, eingeteilt in Wohnparzellen, Dächer, Straßenstrukturen, Blöcke, in und auf denen sich vereinzelt Alltagsszenen beobachten lassen. Die Stadt scheint dem Leben seine Form zu geben. In Vor-Corona-Zeiten gedreht, entwickelt Dachszenen unter heutiger Rezeption eine zeitlich versetzte Aktualität. Was und wie beobachten wir, wenn wir auf den uns unmittelbar umgebenden Raum blicken, der uns - ob selbst- oder fremdbestimmt - als solcher zu isolieren und abzuspalten vermag? Aus dem Off werden vier Protagonistinnen fragmentarisch charakterisiert, deren Blickwinkeln und Erzählstränge sich ineinander verschachteln und zunehmend zu einem sehnsuchtsvollen Ganzem komprimiert wirken.

Talszenen 1.0., 2020/21, 21:03

Das aktuelle Filmprojekt Talszenen basiert auf einem der ältesten Dokumente rätoromanischer Oralliteratur. In mystisch anmutender Naturkulisse inszeniert Annja Krautgasser das Canzun de Sontga Margriata als filmische und stimmgewaltige Erzählung. Die Geschichte, das „Lied“, von der heiligen Margriata, die aufgrund eines Verrates ihr Tal verlassen und damit auch ihr geliebtes Leben aufgeben muss, wird in Talszenen zu einem zeitlosen Filmdokument über die Angst vor dem Unvorhersehbaren und vor Vergänglichkeit. Über die Frauenfigur der Margriata, die als Mann verkleidet ein einfaches Hirtenleben führt, wird diese Angst vor allem als Verlust eines paradiesischen Ist-Zustandes erfahrbar, der sich in einer Existenz im Einklang mit der Natur, mit dem eigenen Tun, mit dem sich selbst gewählten und kreiertem Leben ausdrückt.

carola mair
liebes: leben

16.09.2021, 18.00

„Liebes:Leben ist ein sehr persönlicher Film über das Geheimnis von Mut, Resilienz und letztlich befreienden Lebensmodellen. Denn in der Auseinandersetzung mit Lebenskrisen, dann, wenn etwas im Leben aus der Harmonie geraten ist, erinnert man sich an die stabilisierende Wirkung der inneren Taktgeber wie Körper- und Selbstbewusstsein.“

Mit ihren kraftvollen, nachdrücklichen Dokumentarfilmen greift Carola Mair gesellschaftliche Tabuthemen auf, gibt marginalisierten Personen eine Stimme, ein Gesicht und eine Öffentlichkeit. In ihrem aktuellen Film Liebes:Leben lässt sie drei starke Frauen, die anonym bleiben (wollen), von ihren Gewalterfahrungen im eigenen Haushalt erzählen – und wie sie sich von diesen befreien, diese überwinden. Die Protagonistinnen im Film erinnern sich an ihre inneren Kraftquellen, entdecken ihren Körper und sich selbst neu, sehen sich als Teil der Natur und spüren das pulsierende Leben ihrer eigenen Existenz. Den unmittelbaren, sehr persönlichen Einblicken und Reflexionen stellt Carola Mair performative Szenen gegenüber, die sich mit dem Erzählten künstlerisch auseinandersetzen. Auch Sozialarbeiterinnen kommen zu Wort, klären über Mechanismen häuslicher Gewalt auf. Trotz der Schwere des Themas und der emotionalen Betroffenheit, die der Film auslöst, ist auch Leichtigkeit und Offenheit spürbar. Mit Liebes:Leben eröffnet Carola Mair einen diskursiven Raum, der Zivilcourage und Mut stärkt, und individuell anregt, sich – als Frau und Mensch – mit Stärken und Ansprüchen an das eigene „gute“ Leben auseinanderzusetzen.

 Carola Mair, geboren 1962 in Attnang-Puchheim, ist eine österreichische Dokumentarfilmerin und Drehbuchautorin. Sie studierte Schauspiel an der Schauspielschule Krauss in Wien und interkulturellen Journalismus an der Universität in Salzburg. Seit 1995 ist sie als Fernsehjournalistin tätig, sowohl für den ORF, als auch für private Fernsehsender. Im Jahr 2001 war sie Regieassistentin bei Andreas Gruber. Im selben Jahr begann sie ihre Tätigkeit als Dokumentarfilmerin. Die meisten ihrer internationalen Filme thematisieren Menschenrechte, Toleranz, Diversität. Im Vordergrund stehen dabei zumeist Frauen und Kinder weltweit.

Liebes:Leben
ein Film über den Aufbruch von Frauen
Dokumentarfilm
43 Min
AT 2020

Carola Mair, Still aus Liebes:Leben
Dokumentarfilm / 43 Min / AT 2020

Michi, Inga und Evelyn sind drei starke Frauen, die häusliche Gewalt in ihren Beziehungen erlebt haben. Traumatisiert durch diese Erfahrungen sehen sie lange keine andere Perspektive als in der Gewaltspirale auszuharren. Erst als die Gewalt ihren Höhepunkt erreicht, beschließen die Frauen mit Hilfe von außen zu fliehen und ein neues Leben zu wagen.

Buch/Regie: Carola Mair
Kamera/Schnitt: Erik Etschel
Ton: Armin Lehner
Sound: Achleitner& Zotter
Tanz: Tauschfühlung

simone hooymans
drawings in (e)motion

17.09.2021, 18.00

„An invitation into an eternally changeable world where something sprouts and withers away, something explodes and takes on a new form.”

Talking Plants, Videostill 2020

Mit ihren experimentellen Animationsfilmen kreiert die niederländische Künstlerin Simone Hooymans ein faszinierendes, zuweilen hypnotisierendes Universum. Ihre bildgewaltigen Erzählungen sind voller Poesie und Anmut und verdichten sich fließend zu mythischen Welten und zu eigentümlichen Szenarien. Diese wirken unmittelbar auf den/die Betrachter*in. Ihre Arbeiten entfalten eine eindringliche Kraft und lösen eine reflexive Auseinandersetzung über Verhältnisse von Natur und Mensch, von Urbanisierung und Naturraum, von überbordender Technologie und der Sehnsucht nach Harmonie aus. Tuschezeichnungen und Farbbilder kombiniert sie mit 3D-Computertechnologie sowie perfekt abgestimmten Soundkulissen, die (syn)ästhetisch die Eindringlichkeit und Prägnanz ihrer Animationen verstärken.

Space Betwee, Videostill 2018

Simone Hooymans wurde 1974 in den Niederlanden geboren und studierte Bildende Kunst an den Universitäten in Breda und Arnhem. Seit 2010 lebt und arbeitet sie in Ålvik, Norway. Mit ihren Zeichnungen, Videoinstallationen und Animationsfilmen war und ist sie an zahlreichen internationalen Ausstellungen und Filmfestivals beteiligt, eine Vielzahl ihrer Arbeiten ist mehrfach prämiert und ausgezeichnet worden.

Earthfall
2019, Animation, 6:19 min

In dieser 3D-Animation untersucht Simone die transformierende Kraft einer Krise. Landschaften, Stadtansichten und abstrakte Formen bewegen sich langsam, während sie zu einer Lawine werden, die alles zu zerstören droht. Doch aus den Trümmern und dem Chaos entwächst die Perspektive auf einen Neuanfang: Unbekannt und undefiniert, aber vielleicht hoffnungsvoll? Der Film ist eine symbolische Erkundung der aktuellen globalen Herausforderungen, verbunden mit einer inneren Reise wie eine Krise persönliche Veränderungen bedingen kann.

Broken Horizon
2008, Animation, 4:48

Aus einem Meer voller Eisberge steigen grüne Hügel auf. Kurvenreiche Straßen und ein baumartiger Wald lassen die bis dahin unberührte Landschaft wachsen, greifen in diese ein und verändern sie. Eine Stadt formiert sich, dunkel und unnahbar. Doch wenn die Nacht hereinbricht und die Lichter angehen, kehrt das Wasser zurück. Der einkehrende Transformationsprozess widersetzt sich der Vereinnahmung der Natur durch den Menschen.

After Office Hours
2012, Animation, 4:34 min

Was passiert, wenn die Tage der Menschheit vorbei sind und die Natur wieder regiert. Was passiert, wenn `das Büro´ geschlossen ist? After Office Hours unternimmt eine anmutende Gedankenreise, die sich einer von (Business-)Männern übernommenen Welt entgegenstellt.

Rett Ned
2017, Animation, 6:57 min

Rett Ned („Direkt nach unten“) nimmt uns mit auf eine Reise an unerwartete Orte und immaterielle, teils düster-dunkle Welten. Sukzessive entfaltet sich eine alternative Realität, die einen außerirdischen und bedrohlichen Unterton hat. Die Animation ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit der Band `Building Instrument´.

All that space between us
2018, 5:00 Min

Als Videoloop für Bewohner*innen und Gäste des niederländischen The Rijtven-Hauses, einer Gemeinschaft von Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen konzipiert, setzt sich dieser Animationsfilm behutsam, fast sanft, mit dem Entstehen, der Bedeutung und der individuellen Verortung von Erinnerung auseinander. Das Sujet des Vorhangs direkt aufgreifend enthüllt dieser die Welt dahinter. Eine Welt, die aus Schichten von Erinnerungen besteht. Erinnerungen an die Vergangenheit oder einer Zeit, die erst kommen wird?

Talking Plants
Sound-/Videoinstallation, 2020, 6:07 Min

Diese synoptische Arbeit lässt prächtige, jedoch eigenwillige, Pflanzen in einer mystischen Atmosphäre agieren. Zusammen mit Klangminiaturen von zwölf internationalen Komponist*innen, die für jene Pflanzen, die die Hauptdarstellerinnen der Animation sind, Miniatur-Klanglandschaften geschaffen haben, wird das Werk zu einer außergewöhnlichen und geheimnisvollen botanischen Videoinstallation.

Pressematerialien
filmlounge 2020

sehsaal filmlounge 2020
Täuschung und fragment

23. – 25. September 2020, Beginn jeweils 18:00

Eintritt frei

Programmübersicht:

Mi., 23.9. 2020, 18:00 Anna Vasof – how illusion is made
Non stop stop motion. Dokumentarfilm / 2020 /52 min / Englisch
im Anschluss: Anna Vasof im Gespräch mit Brigitte Felderer

Do., 24.9.2020, 18:00 Iris Blauensteiner – zuhause fern des zuhauses
Rast. Dokumentarfilm / 60 min / 2016 / Verschiedene Sprachen (engl. UT)
im Anschluss: Iris Blauensteiner im Gespräch mit Siglinde Lang

Fr., 25.9. 2020, 18:00 Veronika Schubert – auf ein wort
Gute Frage, nächste Frage, 2016, Video, 11 min
Tele-Dialog, 2005, gestrickter Trickfilm, 5:10min
Tintenkiller, 2009, Trickfilm, 4:30 min
In erster Linie, 2016, in Glas gravierte Animation, 5:30 min
Translation, 2017, Zeichentrickfilm, 3:09 min
Contouring, 2019, Muster-Animation, 3:50 min
im Gespräch begleitend: Veronika Schubert mit Siglinde Lang

Anna Vasof: Still aus: how illusion is made
Iris Blauensteiner: Still aus: zuhause fern des zuhauses
Veronika Schubert, Still aus Tele-Dialog, 2005

FOTOS

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Anna Vasof

Anna Vasof

Filmstill aus: Non Stop Stop Motion, Reflective Documentation, 52:09, englisch

 

Anna Vasof

Anna Vasof

Filmstill aus: Non Stop Stop Motion, Reflective Documentation, 52:09, englisch

 

Iris Blauensteiner

Iris Blauensteiner

Filmstill aus: Rast. Dokumentarfilm / 60 min / 2016 / Verschiedene Sprachen (Engl. UT)

Iris Blauensteiner

Iris Blauensteiner

Filmstill aus: Rast. Dokumentarfilm / 60 min / 2016 / Verschiedene Sprachen (Engl. UT)

Veronika Schubert

Veronika Schubert

Filmstill aus: In erster Linie, 2016, in Glas gravierte Animation, 5:30 min

Veronika Schubert

Veronika Schubert

Filmstill aus: Tintenkiller, 2009, Trickfilm, 4:30 min