Atmosphäre & Authentizität

Atmosphäre & Authentizität

Michael Goldgruber, Jochen Höller, Gert Linke, Gabi Mitterer, Maria Morschitzky, Olaf Osten, Ana Pascu, Brigitte Sasshofer, Gerlinde Thuma

Ausstellungsdauer: 30. Juni - 16. Juli 2022
geöffnet jeweils Mi, Do, Fr, 15 bis 19 Uhr; Samstag 15 bis 18 Uhr

Die Hofinstallation von Olaf Osten ist jeden Samstag zu besichtigen!

Michael Goldgruber, Filmstill „De.Frost.Zones“, 2018-2021 © Michael Goldgruber/Bildrecht

Einer besonderen Atmosphäre haftet auch immer etwas Momentanes an. Sie scheint im Hier und Jetzt verankert zu sein. Und hat irgendwie mit einer sensualen Erfahrung zu tun: Wir fühlen etwas intensiver oder werden intensiv berührt. Die Suche nach dieser Intensität liegt nach den kargen Jahren der Pandemie in der Luft.

Authentizität hat eine gewisse moralische, eine ethische, zumindest eine subjektbezogene (Wahrnehmungs) Perspektive. Denn wir wollen meist selbst authentisch sein, oder auch authentisch bleiben – und meinen damit, unseren Prinzipien auch im Handeln „treu“ zu sein, und das ist eine Herausforderung in unserer Zeit.

In seinem Kurzfilm „De.Frost.Zones“ zeigt er Bilder, die mit fotografischem Zugang, statisch und sorgfältig komponiert, topografische Ausschnitte und Szenarios an Gletschern der Ostalpen zwischen Großglockner und Silvretta seine Intentionen eindrucksvoll darlegen. Die Bilder sind ruhig und kontemplativ, sie evozieren melancholische Nachdenklichkeit und erzeugen nebst ihrer erhabenen und mythischen Präsenz auch beklemmende Bewusstheit bezüglich ihres Verschwindens.

 

Michael Goldgruber, Still aus De.Frost.Zones, 2018-2021, Full-HD, stereo, 14 min

Kein Buch auf der Welt hat eine Gesellschaft dermaßen geprägt wie die Bibel. Die Macht über das Wissen hatte die Kirche, erst mit der Aufklärung wurde das Wissen sozusagen liberalisiert. Jeder kennt den Spruch: Wer nichts weiß, der muss alles glauben; Ausgehend davon wurden aus dem Buch der Bücher alle Wörter „glauben“ und „wissen“ ausgeschnitten, um das Verhältnis beider Wörter zueinander zu untersuchen.

 

 

Jochen Höller, Glaube : Wissen, 2019, Collage, Papier auf Karton, gerahmt, 45 x 60 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

Gert Linke, Ein Stück Gugelhupf 2014, Eisenguss (Grauguß), 30 x 30 x 13 cm

Der einem Lehrbuch für Meteorologie und Geophysik entlehnte Titel Die Dynamik der Atmosphäre ist der Versuch einer möglichen Sichtbarmachung von Atmosphäre im Sinne gesellschaftlicher Stimmungen und Strömungen. Anhand von zwei Arbeiten dieser neunteiligen Serie soll die Komplexität interagierender Geschehnisse innerhalb menschlichen Zusammen-lebens und möglicher Entladungen thematisiert werden. Der Camouflagestoff veranschaulicht als Bildträger und Kleidungsstoff die Vielschichtigkeit des Tarnmusters mit all seinen Zuschreibungen.

 

 

 

 

 

Gabi Mitterer, aus der Serie „Die Dynamik der Atmosphäre“: Grenzlanddirndl, Tarnstoff, Größe 38, auf Kleiderständer und O.T., 2002, Acryl auf Tarnstoff, 80 x 140 cm (

Die Serie Rauschen widmet sich der Bewegungsdynamik, die den körperlichen Impulsen beim Zeichnen entspringt. Die Hand als Seismograf neuronaler, steuerbarer Rhythmen wählt einer Maschine gleichend aus gespeicherten, doch sich weiterentwickelnden Programmen aus und „schreibt“ daraus Muster und Formen. Aus Punkt und Linie entsteht das Rauschen, dessen Spannungsmoment sich zwischen Formfindung und -auflösung ansiedelt. Die horizontal angelegten Blätter sind zugleich Bezugnahme als auch Abgrenzung zum Medium Schrift und thematisieren den Prozess des bewegten Schauens.

 

Maria Morschitzky, aus der Serie Rauschen, 2020/2022, Farbstift auf Papier, 21x29,7cm, Bildrecht

Olaf Ostens begehbare Installation Home Sweet Home aus übermalten Fenstervorhängen ist der Versuch einer atmosphärischen Synthese zweier Orte bzw. potentieller Heimaten am Beispiel von Wien und Sarajevo und erzählt u.a. von der komplexen Persönlichkeit, die Migration erzeugt. Die Sujets zeigen sowohl den Alltag als auch Geschichte oder Politik und resultieren aus eigenen Erfahrungen, Gesprächen und Literatur. Dabei ergibt sich durch die transparenten Vorhänge z.B. die Frage, wie durchlässig und vielschichtig ein „Zuhause“ wohl sein kann.

 

Olaf Osten, Home Sweet Home, 2022, bemalte Vorhänge im Außenraum

The perpetual transformation that is specific for human nature imposes a continuous searching, ended only by the inevitable moment of mortality. The stages of the process take place inside the relationship between the spaces that the self simultaneously exists in- the material one and the interior, intangible one. The fragmentation of the intimate space talks about the impossibility of fully exposing the personal experience. Apex, symbolizing the highest point in space, opens the notion of wholeness and transforms the apparent ending of the process into an ongoing rediscovery of one's self.

 

Ana Pascu, APEX, 2021, video, edition of 3 + 1 AP, 2min 44sec, 1920x1080, color, stereo

Ursprünglich drei Steinskulpturen, präsentiert auf einer Bodenmalerei aus Kalk, welche die nicht mehr vorhanden Körper der Tiere als Silhouetten zeigte. Diese wurden bei der Begehung durch die Besucher ausgelöscht. Die Arbeit war Teil einer Werkreihe in den 80iger-Jahren, in denen ich mich mit Themen Artensterben / Umweltzerstörung befasst habe.
Digitale Komposition 2017:  Bearbeitung von Fotoaufnahmen einer kleinen Nashornskulptur aus dem Jahr 1989 und Konfrontation mit einem Original-Polaroid aus dem Entstehungsjahr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Brigitte Sasshofer, Vom Verschwinden der Nashörner, 1989 - 2017, Zwei Steinskulpturen: Krastaler Marmor, Höhe je 55 cm, Originalpolaroid, gerahmt, 90 x 108 mm, Lambda-Print auf Aluminium, 120 x 80 cm

Die Welle bewegt sich dem Impuls folgend, bis sie auf Widerstand trifft und ihrem Wesen entsprechend geändert Raum greift. Hier wird in zwei Bildhälften eine Einzelwelle der Struktur einer Summe von Wellen in Beziehung gestellt. Zwischen Wellen und Atmosphäre besteht eine Wechselwirkung – Atmosphäre ist Welle und Wellen werden durch Phänomene der Atmosphäre ausgelöst. Ein Welle kann aus einer ebenmäßigen Gesamtheit heraus zur Riesenwelle werden - als Sinnbild und als Phänomen.

 

 

 

 

Gerlinde Thuma, One and All, 2022, Kohle, Pigment, Acryl / Leinwand, 150 x 100 cm (€ 4300,-)
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Resonanz und Resilienz

Resonanz und Resilienz

Rubén D'Hers, Ilse Ermen, Markus Guschelbauer, Lena Knilli, Marianne Lang, Wendelin Pressl, Arnold Reinthaler, Darja Shatalova

Eröffnung: 30. Juni 2021 von 17 – 21 Uhr
Ausstellungsdauer: 1. bis 9. Juli 2021

Digitale Reizüberflutung, Beschleunigung, Klimawandel, Coronakrise: Die Welt um uns, mit uns und durch uns verändert sich. Ob unaufhaltsam oder willkürlich, ob abrupt oder kontinuierlich, ob selbstverschuldet oder fremdgesteuert: unsere Wahrnehmung von und Beziehung zur Welt ist derzeit scheinbar ins Wanken geraten.

Mit `Resonanz & Resilienz´ als Jahresthema 2021 geben wir dem sehsaal einen Rahmen für Antworten, Szenarien, Ansätze und Vorstellungen auf das stets neu zu sortierende Verhältnis vom Individuum und Subjekt zu seiner (Um-)Welt.

Dieses sich neu, sich anders, sich bewusst In-Beziehung-Setzen suchen wir über die Pole von Resonanz und Resilienz zu erkunden: Resonanz als Tendenz einer harmonischen und Resilienz als Tendenz einer nachhaltigen Widerstandskraft, die auf veränderte Lebensbedürfnisse reagiert.

Die Arbeiten der Gruppenausstellungen vermitteln in unterschiedlichen künstlerischen und medialen Formaten individuelle, teils auch sehr persönliche Ansichten und Auseinandersetzung mit der menschlichen Anpassungsfähigkeit, dem (un)bewusst subjektiven Entgegensetzen und/oder dem zunehmend als Widerspruch wahrgenommenen Verhältnis von Kultur und Natur.

Rubén D’Hers (Venezuela). Lives and works in Berlin. Acoustic guitars, zithers, piano strings, cable, stones, hanging motors, pliers, waving cords, bird feathers and refrigerators parts are some of the material he currently uses to produce sound works that operate at a blurred intersection between sound and music. He is a recipient of the Stiftung Kunstfonds working stipend 2020, the emerging artist award grant Cisneros Fontanals Foundation CIFO 2018 and the visual arts research grant from the Berlin Senate Department for Culture and Europe 2017.

Ilse Ermen, geb.1959; D/CH. studierte Bildende Kunst an der ENSBA in Paris (1979 - 1984), daraufhin arabische und slavische Philologie/Linguistik in Paris, Berlin und Basel (1985 - 1991; Dissertation 1996). Sie arbeitet mit Sprache als Bild, in letzter Zeit auch zunehmend mit Klang. Aus dem Zusammenhang gerissene Wörter, Sätze und Texte werden zu Bildern; diese wieder zu Lauten (z.B. in Lesungen). Zentral sind Dekontextualisierung, Hinterfragung von Wahrnehmungsprozessen und Denkmustern. Pendelt zur Zeit zwischen Brest (Frankreich) und Berlin.

Markus Guschelbauer ist 1974 in Friesach (A) geboren, er lebt und arbeitet in Wien. Nach dem Studium der Fotografie am Institut für Bildende und Mediale Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien ist er seit 2009 als freischaffender Künstler tätig. Landschaften sind sowohl Bezugspunkt als auch Kulisse für seine künstlerischen Interventionen und Inszenierungen. Mit Hilfe von Alltagsmaterialien und Elementen aus dem künstlerischen Formenvokabular entstehen temporäre Stücke auf der Bühne Landschaft. Durch den präzisen bildnerischen Akt des fotografischen und filmischen Prozesses formen sie sich zu autonomen Bildwerken, die sich an der Schnittstelle von Fotografie, Bildhauerei, Performance und Land Art bewegen.

Lena Knilli wurde 1961 in Graz geboren und ist in (West)-Berlin aufgewachsen. Sie studierte Malerei an der HdK in Berlin und an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien bei Maria Lassnig. Von 1992 bis 2001 Jahren lebte und arbeitete sie in Prag, anschließend wieder in Wien. Lena Knilli arbeitet in den Bereichen Malerei, Zeichnung, Collage, sowie audiovisuelle Installation und kollaborative Formate. Sie beschäftigt sich mit der Untersuchung und Überlagerung verschiedener bildlicher Systeme, sowie mit den Fragestellungen, die hieraus resultieren. Es interessieren die Ausgangspunkte für eine individuelle Entwicklung und unsere Wahrnehmungsweisen. Ausstellungen im In-und Ausland.

Marianne Lang wurde 1979 in Graz geboren. 1998-2005 Universität Mozarteum (Dieter Kleinpeter). 2010 Staatsstipendium für bildende Kunst Österreich, Förderpreis Land Salzburg, 2003-09 Atelierstipendien Berlin, Budapest, Montrouge, Virginia, Paris, 2007 Jahresstipendium für bildende Kunst, Land Salzburg. Letzte Einzelausstellungen: 2020 Vermessung der Leere, Stadtgalerie Salzburg, 2018 Spiegelbildlich, Bildraum 01. Wien, 2017 Wald, Galerie Zimmernann Kratochwill, Graz, 2015 Das Haus im Grünen, Galerie Bäckerstrasse4, Wien. Letzte Beteiligungen: 2021 Steiermarkschau, Kunsthaus Graz, 2020 Beethoven unter einem D-A-CH, Künstlerforum, Bonn, 2018 Obsession Zeichnung, Bruseum, Joanneum, Graz.

Wendelin Pressl ist ein „Feldforscher“ an der Grenze zwischen Kunst, Wissenschaft, Wahrnehmung und: Kosmos. In zahlreichen Ausstellungen, Auslandsaufenthalten und Publikationen hat Pressl das Forschungssystem Kunst auf seine für ihn typische Weise von Wahrheit und Täuschung ausgelotet und bestimmt. 1971 in Graz geboren, lebt und arbeitet Wendelin Pressl freischaffend in Wien. Nach der Meisterschule für Malerei an der Ortweinschule Graz studierte er in Wien an der Akademie der bildenden Künste.

Arnold Reinthaler studierte Bildhauerei an der Hochschule für künstlerische Gestaltung in Linz und bei Bruno Gironcoli an der Akademie der bildenden Künste Wien. Er promovierte bei Thomas Macho mit einer kulturwissenschaftlichen Dissertation über die Zirkulation des Begriffs >nomadisch< im Kunstkontext. Seine Arbeiten umkreisen Zeitbegriffe, die er mit bildhauerischen Mitteln modelliert. Dabei stellt er das subjektive Handeln in den Mittelpunkt lang andauernder Arbeitsprozesse, die er vorwiegend in Stein, Papier und Lichtmedien übersetzt. Arnold Reinthaler erhielt zahlreiche Stipendien und Preise und lebt als Künstler in Wien.

Darja Shatalova ist eine transdisziplinäre Künstlerin mit einem mathematischen Hintergrund. In ihren Arbeiten untersucht sie die Strukturen gesellschaftlicher Phänomene und individueller Erfahrungen auf eine analytische Weise. Ziel ist es, in der Vielfalt singulärer Ereignisse Prinzipien und Muster zu erkennen und so eine Ordnung im eigenen Leben und der Umwelt zu finden. Die kontinuierlichen Aufzeichnungen und Notationen finden in Künstlerbüchern statt, aus denen Elemente in Performances, raumbezogene Installationen und Klangkompositionen übersetzt werden.

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Pressematerialien Resonanz und Resilienz

Presse Information

Resonanz & Resilienz

Rubén D'Hers, Ilse Ermen, Markus Guschlbauer, Lena Knilli, Marianne Lang, Wendelin Pressl, Arnold Reinthaler, Darja Shatalova

Eröffnung: 30. Juni 2021 von 17 – 21 Uhr
Grußworte: Silvia Jankovic, Bezirksvorsteherin in Margareten

Ausstellungsdauer: 1. bis 9. Juli 2021
Dienstag bis Freitag von 15 bis 19 Uhr; Samstag von 14 bis 11 Uhr

Digitale Reizüberflutung, Beschleunigung, Klimawandel, Coronakrise: Die Welt um uns, mit uns und durch uns verändert sich. Ob unaufhaltsam oder willkürlich, ob abrupt oder kontinuierlich, ob selbstverschuldet oder fremdgesteuert: unsere Wahrnehmung von und Beziehung zur Welt ist derzeit scheinbar ins Wanken geraten.

Mit `Resonanz & Resilienz´ als Jahresthema 2021 geben wir dem sehsaal einen Rahmen für Antworten, Szenarien, Ansätze und Vorstellungen auf das stets neu zu sortierende Verhältnis vom Individuum und Subjekt zu seiner (Um-)Welt.

Dieses sich neu, sich anders, sich bewusst In-Beziehung-Setzen suchen wir über die Pole von Resonanz und Resilienz zu erkunden: Resonanz als Tendenz einer harmonischen und Resilienz als Tendenz einer nachhaltigen Widerstandskraft, die auf veränderte Lebensbedürfnisse reagiert.

Die Arbeiten der Gruppenausstellungen vermitteln in unterschiedlichen künstlerischen und medialen Formaten individuelle, teils auch sehr persönliche Ansichten und Auseinandersetzung mit der menschlichen Anpassungsfähigkeit, dem (un)bewusst subjektiven Entgegensetzen und/oder dem zunehmend als Widerspruch wahrgenommenen Verhältnis von Kultur und Natur.

Rubén D'Hers: Ara Ararauna, 2019
Käfig, Arafeder, Motor und Wandler fungieren in dieser Arbeit als eine Art Stimmapparat zur Wiedergabe einer Audiodatei. Die Audiodatei enthält nicht die Aufnahme des Vogels, sondern die Aufnahme einer Improvisation mit einem Geigenbogen, die versucht, die Geräusche dieses Vogels zu imitieren. Wenn diese Audiodatei über einen am Käfig angebrachten Vibrationslautsprecher wiedergegeben wird, schwingen die während der Improvisation erzielten Resonanzen, Obertöne und Rückkopplungen im Inneren des Käfigs erneut mit - als Resonanz innerhalb einer Resonanz.

Ilse Ermen: Identités électives / Serie von Postkarten in variablen Kombinationen, seit 2018
Bekanntlich werden einer Person im Leben unterschiedliche Rollen und Identitäten zugeteilt, in den Augen der Anderen ist man stets jemand anderes / ein_e Andere_r. Man wird verwechselt oder falsch eingeschätzt. Die Wahlidentitäten sagen klar, was ich bin oder auch nicht. Manche Nicht-Identitäten sind offensichtlich, daher banal, andere auf unterschiedliche Art folgenreich.

Markus Guschlbauer: Adaptation/Transformation, Video, 2019/2020
Das angebliche Gegensatzpaar Natur-Kultur steht häufig im Zentrum von Markus Guschelbauers künstlerischer Praxis. In der Arbeit Adaptation/Transformation bevölkern phantastische Wesen seine Naturbühnen. Sie agieren autonom und nehmen nur bedingt Bezug auf ihre Umgebung. Die Welt ist Bühne, auf der verschiedene Konzepte des Daseins erprobt werden. Welche Rollen gespielt werden, bleibt ebenso offen, wie die Wechselwirkung zwischen Individuum und Umwelt.

Lena Knilli: shelter (open house), 2020, Aquarell und Akryl auf Papier, 40 x 40 cm
Haus und Baum (1 – 4), 2020, Industrypainter auf Papier, 42 x 42 cm
Bekannte Objekte werden durch Verformungen zu einer Art visueller Fragestellung formuliert. In "shelter” werden Gebäude verändert, verdreht, verbogen und gestaucht. Sie sind vielleicht nicht mehr hundertprozentig tauglich, aber sie haben noch eine Öffnung zum Hineinschlüpfen, auch zum Hinausschauen oder Hindurchschauen. In “Haus und Baum” verschmelzen Haus und Bäume zu einer einzigartigen Komposition – sie passen sich gegenseitig an, und gleichzeitig widersetzen sie sich.

Marianne Lang: Back to the Roots, Buntstiftzeichnungen auf Papier, je 90x70cm, 2021, gerahmt
Die Serie verweist auf die spielerischen Naturerfahrungen der Kindheit, wenn aus Ästen und Laub Behausungen gebaut werden. Hier spiegelt sich das tief verwurzelte Bedürfnis wider, sich ein Zuhause zu schaffen, das Schutz und Intimität, auch Geborgenheit, bietet. Marianne Langs Bilder sparen jedoch eben diese Konstruktionen in Form weißer Silhouetten aus und überlassen es dem/der Betrachter*in, die entstandene Leere emotional und gedanklich zu erforschen und auszufüllen.

Wendelin Pressl: Der Antikommunikator, 2021, Objekt aus Kartonrohren und Spiegel, ca. 23 x 30 x 9 cm
Der Apparat erinnert in seiner Form entfernt an den Hörer eines alten Telefons. Mit ihm kann man über ein Spiegelsystem das eigene Ohr betrachten, bzw. dem eigenen Auge zuhören. Zum einen lässt sich so ein normalerweise wenig beachtetes Detail seiner selbst besehen, zum anderen blendet es die (Um)Welt aus – man ist hermetisch in der Selbstanschauung versunken. Entschleunigung.  Vertiefung, Egoverkapselung, jedenfalls keine Kommunikation.

Arnold Reinthaler: second life, seit 2011 (laufend), Ritzungen in schwarzen Granit, je 40 x 40 x 1 cm
Täglich ritzt Arnold Reinthaler seit zehn Jahren kaum lesbare Sätze in Stein, die allesamt mit „MORGEN WERDE ICH“ beginnen. Vorangestellt ist nur das Datum des Schreibprozesses. So entstehen pro Jahr 12 Tafeln aus schwarzem Granit, die aneinandergereiht unterschiedlichste Zeitebenen aufspannen: ephemere, private Imaginationen, die er tags darauf durchstreicht, ebenso wie politische Fiktionen.

Darja Shatalova:  T3(VG), 50 x 50 x 50 cm, Permanentmarker auf Kunststoffglas, lackierte Holzleisten, Gewindestangen, 2020
Die Arbeit stellt die dritte Transformation der ursprünglich installativen Performance „Vorübergehend“ dar, in der mittels eines Systems an Zeichen und Codes die Bewegungen von Passant*innen über eine Dauer von 9 Stunden aufgezeichnet werden. Das analoge Verfolgen von Abläufen kontrastiert die Fähigkeiten und Grenzen der menschlichen Auffassungsgabe im Gegensatz zum digitalen Tracking. Die einzelnen Notationsebenen verdichten sich im Kubus hintereinander gestaffelt zu einem nicht-linearen Protokoll.

Biografien

Rubén D’Hers (Venezuela). Lives and works in Berlin. Acoustic guitars, zithers, piano strings, cable, stones, hanging motors, pliers, waving cords, bird feathers and refrigerators parts are some of the material he currently uses to produce sound works that operate at a blurred intersection between sound and music. He is a recipient of the Stiftung Kunstfonds working stipend 2020, the emerging artist award grant Cisneros Fontanals Foundation CIFO 2018 and the visual arts research grant from the Berlin Senate Department for Culture and Europe 2017.
http://www.rubendhers.net/

Ilse Ermen,  geb.1959; D/CH. studierte Bildende Kunst an der ENSBA in Paris (1979 - 1984), daraufhin arabische und slavische Philologie/Linguistik in Paris, Berlin und Basel (1985 - 1991; Dissertation 1996). Sie arbeitet mit Sprache als Bild, in letzter Zeit auch zunehmend mit Klang. Aus dem Zusammenhang gerissene Wörter, Sätze und Texte werden zu Bildern; diese wieder zu Lauten (z.B. in Lesungen). Zentral sind Dekontextualisierung, Hinterfragung von Wahrnehmungsprozessen und Denkmustern. Pendelt zur Zeit zwischen Brest (Frankreich) und Berlin.
http://www.ilse-ermen.com/

Markus Guschelbauer ist 1974 in Friesach (A) geboren, er lebt und arbeitet in Wien. Nach dem Studium der Fotografie am Institut für Bildende und Mediale Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien ist er seit 2009 als freischaffender Künstler tätig. Landschaften sind sowohl Bezugspunkt als auch Kulisse für seine künstlerischen Interventionen und Inszenierungen. Mit Hilfe von Alltagsmaterialien und Elementen aus dem künstlerischen Formenvokabular entstehen temporäre Stücke auf der Bühne Landschaft. Durch den präzisen bildnerischen Akt des fotografischen und filmischen Prozesses formen sie sich zu autonomen Bildwerken, die sich an der Schnittstelle von Fotografie, Bildhauerei, Performance und Land Art bewegen.
https://www.markusguschelbauer.com/

Lena Knilli wurde 1961 in Graz geboren und ist in (West)-Berlin aufgewachsen. Sie studierte Malerei an der HdK in Berlin und an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien bei Maria Lassnig. Von 1992 bis 2001 Jahren lebte und arbeitete sie in Prag, anschließend wieder in Wien. Lena Knilli arbeitet in den Bereichen Malerei, Zeichnung, Collage, sowie audiovisuelle Installation und kollaborative Formate. Sie beschäftigt sich mit der Untersuchung und Überlagerung verschiedener bildlicher Systeme, sowie mit den Fragestellungen, die hieraus resultieren. Es interessieren die Ausgangspunkte für eine individuelle Entwicklung und unsere Wahrnehmungsweisen. Ausstellungen im In-und Ausland.
https://lenaknilli.at/

Marianne Lang wurde 1979 in Graz geboren. 1998-2005 Universität Mozarteum (Dieter Kleinpeter). 2010 Staatsstipendium für bildende Kunst Österreich, Förderpreis Land Salzburg, 2003-09 Atelierstipendien Berlin, Budapest, Montrouge, Virginia, Paris, 2007 Jahresstipendium für bildende Kunst, Land Salzburg. Letzte Einzelausstellungen: 2020 Vermessung der Leere, Stadtgalerie Salzburg, 2018 Spiegelbildlich, Bildraum 01. Wien, 2017 Wald, Galerie Zimmernann Kratochwill, Graz, 2015 Das Haus im Grünen, Galerie Bäckerstrasse4, Wien. Letzte Beteiligungen: 2021 Steiermarkschau, Kunsthaus Graz, 2020 Beethoven unter einem D-A-CH, Künstlerforum, Bonn, 2018 Obsession Zeichnung, Bruseum, Joanneum, Graz.
https://www.mariannelang.at/

Wendelin Pressl ist ein „Feldforscher“ an der Grenze zwischen Kunst, Wissenschaft, Wahrnehmung und: Kosmos. In zahlreichen Ausstellungen, Auslandsaufenthalten und Publikationen hat Pressl das Forschungssystem Kunst auf seine für ihn typische Weise von Wahrheit und Täuschung ausgelotet und bestimmt. 1971 in Graz geboren, lebt und arbeitet Wendelin Pressl freischaffend in Wien. Nach der Meisterschule für Malerei an der Ortweinschule Graz studierte er in Wien an der Akademie der bildenden Künste.
http://www.wendelinpressl.com/

Arnold Reinthaler studierte Bildhauerei an der Hochschule für künstlerische Gestaltung in Linz und bei Bruno Gironcoli an der Akademie der bildenden Künste Wien. Er promovierte bei Thomas Macho mit einer kulturwissenschaftlichen Dissertation über die Zirkulation des Begriffs >nomadisch< im Kunstkontext. Seine Arbeiten umkreisen Zeitbegriffe, die er mit bildhauerischen Mitteln modelliert. Dabei stellt er das subjektive Handeln in den Mittelpunkt lang andauernder Arbeitsprozesse, die er vorwiegend in Stein, Papier und Lichtmedien übersetzt. Arnold Reinthaler erhielt zahlreiche Stipendien und Preise und lebt als Künstler in Wien.
https://reinthaler.org/

Darja Shatalova ist eine transdisziplinäre Künstlerin mit einem mathematischen Hintergrund. In ihren Arbeiten untersucht sie die Strukturen gesellschaftlicher Phänomene und individueller Erfahrungen auf eine analytische Weise. Ziel ist es, in der Vielfalt singulärer Ereignisse Prinzipien und Muster zu erkennen und so eine Ordnung im eigenen Leben und der Umwelt zu finden. Die kontinuierlichen Aufzeichnungen und Notationen finden in Künstlerbüchern statt, aus denen Elemente in Performances, raumbezogene Installationen und Klangkompositionen übersetzt werden.
http://www.darjashatalova.com/

 

fake & fragment

fake & fragment

Elisabeth Czihak, Regula Dettwiler, Melanie Dorfer, Gunda Gruber, Herbert Hofer, Matthias Klos, Brigitte Mahlknecht, Liddy Scheffknecht, Michael Wegerer, Fridolin Welte

Eröffnung: 17. Juni 2020 von 17 – 22 Uhr
Human Installation
by Ablate Mountain Productions

Öffnungszeiten: Mi, Do, Fr, 14:00 – 18:00
Dauer: 17.6.2020 – 11.7.2020

 

Und das war die Geschichte von Anna & Bianca — eine Erzählung von der Sehnsucht nach Berührung in Zeiten der Distanz:

Das Jahresthema des Projektraumes sehsaal lautet „Fake & Fragment“ und verbindet zwei beunruhigende Phänomene, die seit Corona aktueller denn je die Wahrnehmung unserer Lebenswelten prägen: Täuschung ist durch die Überflutung mit fake news und der damit verbundenen Sondierung von Quellen ein allgegenwärtiger Begriff. Fragment bezieht sich auf die zunehmend gesplittete Wahrnehmung unserer digitalen und analogen Welt durch beschleunigte, zuweilen nur mehr bruchstückhaft wahrnehmbare Ereignisse.

Mit der Wiedereröffnung nach der Corona-Schließung wird im sehsaal eine Gruppenausstellung mit künstlerischen Werken gezeigt, die sich diesem Themenkomplex sehr grundlegend nähern und verblüffende Verbindungen zwischen Fiktion und Realität herstellen.

Zum Jahresthema:

Fake als Täuschung, auch Vortäuschung und Blendung, spielt medial als auch in der Architektur, Kunst eine wesentliche Rolle. Speziell in der Kunst(geschichte) reflektiert der Begriff auch das Verhältnis von Original und Kopie, von Realitätsbezügen und vermeintlichen Kontexten und referenziert Fragestellungen zu (Re)Produktion, Aneignung sowie Imitation. Täuschung umfasst aber auch ein Dazwischen von Fantasie und Realität, von Lüge und Wahrheit, von Schein und Sein.

Fragment kann ein Bruchstück, Relikt, Überbleibsel bzw. ein Ab- und Ausschnitt sein, der unvollendet oder lückenhaft (geblieben) ist. Ein Fragment ist nur teilweise erhalten, verweist folglich stets auf etwas `Ganzes´ oder `Größeres´, wobei das Fragmentarische den Blick auf Details und Einzelaspekte zu richten und Komplexität zu reduzieren oder auszublenden vermag. Fragmente können als Reste von Systemen verstanden werden und auch zu neuen Ordnungen zusammen-gesetzt werden.